Neues Gutachten lehnt Bahnpläne zur Flughafenanbindung ab

Neues Gutachten lehnt Bahnpläne zur Flughafenanbindung ab

Das neue Gutachten der Technischen Universität Dresden zum S-Bahn-Betrieb auf den Fildern und den Plänen der DB zum Flughafenanschluss von Stuttgart 21 bestätigt die Position der Fraktion DIE LINKE in der Regionalversammlung Stuttgart: „Noch mehr Verspätungen und Chaos bei der S-Bahn, und ein Betrieb ohne Reserven und notwendige Pufferzeiten,“ fasst Pirat Ingo Mörl, Mitglied im Verkehrsausschuss und S-21-Sprecher der Fraktion DIE LINKE, die Ergebnisse zusammen. „Nach fast 20 Jahren Planung und fünf Jahren Bauzeit ist dieses Gutachten ein verheerendes Signal für Stuttgart 21.“

Nicht zu empfehlen

Auch mit aktualisierten Zahlen bleibt das Urteil der TU Dresden zu den Bahnplänen vernichtend. Bereits in ihrem ersten Gutachten diagnostizierten die Dresdener beträchtliche Planungsdefizite in den Bahnpläne zur Anbindung des Flughafens an das Projekt Stuttgart 21. Schon hier prangerten die Experten etwa die Unterschreitung von Pufferzeiten, Verstösse gegen bahninternen Regelwerke, eine labile Betriebsqualität und strukturbedingt zunehmende Verspätungszeiten im S-Bahn sowie im Regional- und Fernverkehr an.

Laut eines Berichts der Stuttgarter Nachrichten kommt auch das neue Gutachten zum alten Schluss: „Unsere abschließende Bewertung ist, dass wir den Bau dieser Infrastruktur nicht empfehlen können“, so Gutachter Uwe Steinborn.

Falschspiel mit Zahlen

Ein zweites Gutachten wurde notwendig, da die Bahn den im Auftrag der Stadt Leinfelden-Echterdingen tätigen Gutachtern der TU Dresden im vergangenen Jahr bewusst veraltete Zahlen zur Berechnung zur Verfügung stellte, was in den Erörterungen zu den Bahnplänen auf den Fildern im Herbst 2014 zum Eklat führte. Auch das zweite Gutachten mit aktuellen Zahlen, für dessen Finanzierung diesmal die Bahn herangezogen wurde, kommt  nun zu keinem anderen Ergebnis.

Inkompetenz oder Methode

„Der Verdacht drängt sich auf, dass die Bahn mit ihrer Täuschungs- und Verweigerungsstrategie, was Informationsweitergabe angeht, auf Zeit spielt,“ so Wolfgang Hoepfner, ebenfalls Mitglied im Verkehrsausschuss und ÖPNV-Experte der LINKEN. „Der DB muss bewusst sein, dass ihre Pläne zum Flughafenanschluss weder genehmigungsfähig noch umsetzbar sind. Stattdessen spielt sie auf Zeit, in der Hoffnung, die unvermeidlichen Ausstiegskosten von S 21 auf die Allgemeinheit abzuwälzen, anstatt für die Fehlplanungen und falschen Versprechungen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 selbst finanziell geradezustehen.“

Bessere Alternativen sind vorhanden

Mit dem neuen Gutachten ist die sogenannte „Antragstrasse“ der Bahn, die am Flughafen einen riskanten und verspätungsanfälligen Mischverkehr aus S-Bahn, Fern- und Regionalzügen der Gäubahn vorsieht, nun zweifach diskreditiert. Eine Genehmigung durch das Eisenbahn-Bundesamt wird daher zunehmend unwahrscheinlich.  Zu hypothetischen Alternativkonzepten wie dem „Filderbahnhof Plus“ oder einem „drittes Gleis“, um dem Mischverkehr am Flughafenbahnhof vorzubeugen, liegen bisher weder konkrete Pläne noch Zahlen vor. Nichtsdestoweniger erklärten sich CDU, FDP, Freie Wähler und SPD in der Regionalversammlung im Oktober 2014 bereit, den Kostendeckel für S 21 für eine Alternativlösung prinzipiell aufzuheben.

Ingo Mörl und die LINKEN lehnen dies strikt ab: „Praktikable Alternativen wie der Regionalbahnhof Vaihingen oder die Sanierung des Kopfbahnhofes liegen auf dem Tisch, und sind wesentlich günstiger, schnell umsetzbar und verkehrspolitisch sinnvoller als alles, was die Bahn bisher vorlegen konnte. Statt ständig von neuen Möglichkeiten zu phantasieren, müssen die Projektbefürworter endlich zugeben, dass Stuttgart 21 nicht funktioniert, und aufhören, Zeit und Geld zu verschwenden.“

Angesichts kritischer Töne aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium (Grüne), das die Bahn zur Finanzierung alternativer Lösungen aus dem Projektbudget auffordert, und von Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU), der nun wie auch DIE LINKE Mehrkosten zum blossen Erhalt des unbefriedigenden status quo bei der S-Bahn-Pünktlichkeit ablehnt, bleibt zu hoffen, dass sich diese Einsicht langsam auch bei den S-21-Befürwortern in der Regionalversammlung durchsetzt.


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