Keine Zustimmung zu einem pauschalen S-Bahn 15 Minuten Takt für 20 Millionen jährlich zusätzlich.

​Dauerhaft 15-Minuten Takt?

Sehr geehrter Vorsitzender, sehr geehrte Frau Regionaldirektorin, sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen, sehr geehrte Zuhörer.
Heute hat die Regionalversammlung über zukünftige Verbesserungen im S-Bahn Angebot in der Region Stuttgart zu entscheiden. In den vergangenen 20 Jahren haben wir schon viel erreicht und stellen unseren Fahrgästen nun ein wesentlich verbessertes Angebot zur Verfügung.

Jede einzelne dieser Verbesserungen hat bisher zum Erfolg des Systems S-Bahn in Stuttgart beigetragen.

Bei jedem weiterem Ausbau des Angebotes müssen wir nun sehr gut überlegen, ob der Nutzen in einem akzeptablen Verhältnis zum Aufwand steht.

Anstatt eines reibungslosen Ablaufes erleben die Fahrgäste aber aktuell permanente Ausfälle und Verspätungen der S-Bahnen.

Allein im August 2016 registrierte der VVS-Störungsreport insgesamt 24 teils schwerwiegende Verkehrsstörungen allein durch Stellwerks-, Weichen-, Oberleitungs- und Signalstörungen sowie Brandmeldungen, oft mit Einschränkungen und Zugausfällen bis in die Abend- und Nachtstunden.

Mit großem Bedauern müssen wir feststellen, dass die August-Bilanz mit ihren massiven Störungen eher Regel ist als Ausnahme. Das gehäufte Auftreten von technischen Störungen innerhalb der vergangenen Jahre zeigt nur all zu deutlich, wie sehr die S-Bahn Stuttgart, wohl auch aufgrund der kulanten Sonderregelungen während der Stuttgart-21-Bauphase, vom Betreiber Deutsche Bahn auf Verschleiß gefahren wird. 

Trotz vollmundiger Versprechungen auf dem alljährlichen „S-Bahngipfel“ fehlt es offensichtlich an technischer Wartung, Innovation und Prävention.

Viel zu oft kommt es also, besonders in der Hauptverkehrszeit am Vormittag, zu kleineren Ausfällen, die sich schnell zu großen Störungen entwickeln.

Dann sind die Fahrpläne bedeutungslos, eine Situation, die wir nicht akzeptieren können.

Die Zuverlässigkeit des ÖPNV ist aber das entscheidende Kriterium, an dem er sich messen lassen muss. Eine Ausweitung des Angebotes der S-Bahn kann nur erfolgen, wenn dessen Zuverlässigkeit auch zukünftig sichergestellt ist. 

Die hier vorgeschlagenen Taktverdichtungen stellen aber eine weitere Belastung der Stammstrecke dar. Wir sehen in diesem Bereich, zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße aber keine Reserven mehr, um das Leistungsangebot zu steigern.

Auch die Bauarbeiten zu dem vollkommen überflüssigen und maßlos überteuerten Immobilienprojekt Stuttgart 21 erschweren zusätzlich die Situation für alle Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen in der Region Stuttgart.

Für die Fraktion Die Linke und auch für mich als Piraten ist es offensichtlich, dass die DB-Regio mit dem aktuellen Betrieb der S-Bahn überfordert ist

Ohne zwingende Not haben wir uns mit dem S-Bahn Vertrag das Steuerelement für einen zuverlässigen Betrieb des S-Bahn Verkehrs aus der Hand nehmen lassen. Während der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 sind die Pönale, das heißt die Vertragsstrafen für unzulässige Verspätungen, auf ein lächerliches Minimum reduziert. 

Ein ernsthaftes Interesse von DB-Regio, die Pünktlichkeit zu verbessern, können wir nicht erkennen. So fehlt auch heute noch die Bereitschaft von der Bahn, das neue Zugbeeinflussungssystem  ETCS Lv 2 in der Stammtrecke einzusetzen, obwohl dort aktuell ein neues System geplant wird. Auch hier spart die Bahn wieder auf Kosten der Pünktlichkeit. Das ist das Ergebnis der übereilten und fehlerhaften Bahnprivatisierung, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, SPD und den Grünen.

Unsere Fraktion sieht mit dem aktuellen S-Bahn-Vertrag keine Möglichkeiten, die erforderliche Qualität wieder herzustellen. Eine vorzeitige Aufkündigung sollte daher geprüft und gegebenenfalls von der Regionalversammlung umgesetzt werden.

Während der Hauptverkehrszeit am Vormittag und auch am Abend, ist das ganze System am Limit. Kleinste Unregelmäßigkeiten schaukeln sich zu massiven Störungen hoch. In der darauf folgenden Nebenverkehrszeit gibt es im Gegensatz dazu noch einige Reserven. Mittags werden diese Reserven von Bahn nun dazu benutzt, um aufgelaufene Verspätungen vom Vormittag wieder abzuarbeiten und die Pünktlichkeit im System wieder herzustellen.

Danach haben die von den vorherigen Verspätungen, aber auch von den inakzeptablen Fahrpreiserhöhungen gestressten Pendler, wenigsten am Nachmittag die Chance, einigermaßen pünktlich ihr Ziel zu erreichen. Mit den hier vorgeschlagenen Taktverdichtungen nehmen wir ihnen auch noch diese Gelegenheit.

Anstatt also mit der Gießkanne 20 Millionen Euro jährlich zusätzlich an die Bahn zu überweisen und zu hoffen, dass es diesmal funktioniert, sollten wir vorhandene finanzielle Reserven für punktuelle Verbesserung am S-Bahn System verwenden, um vor allem die Stammstrecke weiter zu entlasten. Auch der Ausbau der Tangentialverbindungen sind ein wichtiger Bestandteil, um zukünftig wieder ein zuverlässiges, pünktliches und günstiges Angebot mit der S-Bahn in der Region Stuttgart bereitstellen zu können.

Die Fraktion Die Linke mit Piraten im Regionalparlament, kann in dieser Situation die hier vorgeschlagenen Taktverdichtungen nicht unterstützen und wird diesen Antrag, zumindest in Teilen, ablehnen müssen.

Wir beantragen auch eine getrennte Abstimmung über die einzelnen Punkte.

In den nächsten Wochen werden wir unsere eigenen Vorschläge einbringen. Diese sind bezahlbar, beseitigen aktuelle Probleme und bringen spürbare Verbesserungen für die meisten S-Bahn Nutzer.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.


Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Durch Bereitstellung der Kommentierungsfunktion macht sich die Piratenpartei nicht die in den Kommentaren geschriebenen Meinungen zu eigen. Bei Fragen oder Beschwerden zu Kommentaren wenden Sie sich bitte über das Kontaktformular an das Webteam. Hinweise zur Moderation von Kommentaren finden sich auf der Wikiseite der SG Webseite.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Verbindlich einzugebende Felder werden mit diesem Zeichen kenntlich gemacht: *

Weitere Informationen