Antrag Haushaltsberatung 2016: #Freifunk in der S-Bahn

Antrag Haushaltsberatung 2016: Freifunk in der S-Bahn

Die Fraktion DIE LINKE beantragt, die Verwaltung zu beauftragen, gemeinsam mit dem Verein Freifunk Stuttgart e.V. ein Konzept zur Versorgung der S-Bahn Kunden mit freiem Internet auf Grundlage des Freifunk-Prinzips zu erarbeiten.

Begründung:

Die Zielsetzung bei der Einführung von freiem WLAN in der S-Bahn ist es, einen kostenfreien Zugang via WLAN für die Fahrgäste zu ermöglichen. Im Vergleich zu kommerziellen Angeboten hat der Freifunk hier ganz entscheidende Vorteile:

Nutzerfreundlichkeit:

Durch Versorgungslücken beim mobilem Internet und durch kurze Nutzungszeiten von ca. 15-30 Minuten hat die Nutzung von Freifunk-WLAN ohne Anmeldung/Identifizierung gravierende Vorteile: Das WLAN kann vom ersten Moment an vom S-Bahn-Kunden genutzt werden. Durch bessere Nutzung der Uplink-Bandbreite geht die knappe Nutzungszeit nicht durch zähe Anmeldeprozeduren verloren. Anmeldung und Identifikation können bei kurzen Nutzungszeiträumen vor allem bei Versorgungslücken erhebliche Bandbreite und Volumen „fressen“, so dass die Anmeldeprozedur länger dauern kann als die Fahrt selbst. Freifunk dagegen ermöglicht auch auf kürzeren Fahrstrecken ohne Anmeldung und Passwort eine zügige Nutzung des Internets ohne zeitliche Limitierung oder Begrenzung des Datenvolumens. Darüber hinaus wird das Roaming zwischen den Accesspoints ermöglicht, so dass es möglich ist, sich im Zug zu bewegen, ohne Verbindungsabbrüche beim Accesspointwechsel hinnehmen zu müssen. Durch Wegfall einer Anmeldung via SMS oder gar mobilem Internet können darüber hinaus auch Touristen ohne funktionierenden Mobilfunkvertrag und ohne mobiles Datenpaket das Angebot nutzen.

Privatsphäre:

Freifunk ermöglicht freien Zugang zum Internet, unter Wahrung der Privatsphäre und des Post- und Fernmeldegeheimnisses und ohne Einblendung störender personalisierter Werbung, Zwangswebcache oder Deep Packet Inspection. Es findet keine unnötige Speicherung von Nutzerdaten zur kommerziellen Auswertung des Surfverhaltens statt. Die Anwender müssen nicht ohne Notwendigkeit ihre Identität an Dritte preisgeben, oder die Verwertung ihres Nutzerverhaltens dulden, um den Zugang zum Internet nutzen zu können: Sie müssen das scheinbar kostenlose WLAN also nicht mit ihren persönlichen Daten bezahlen.

Technische Umsetzmöglichkeit:

Die S-Bahnen in der Region haben bereits heute die Möglichkeit, Internet in den Zug zu bringen; das entsprechende Verfahren sollte als Uplink genutzt werden. Je nach Machbarkeit kann die Freifunktechnik mittels Mesh-on-LAN (z.B. innerhalb eines Wagens) oder Mesh-on-WLAN (zwischen mehreren Wagen) in den Wagen gebracht werden. Falls keine Netzwerkkabel in den S-Bahnen gelegt werden können, ist auch ein reines Mesh-on-WLAN innerhalb der Züge möglich. Abhängig von der Anbindung der Kameras können eventuell auch reine WLAN-Accesspoints installiert werden, die nur Internetverbindungen über Freifunkinfrastruktur bereitstellen. Allerdings ist Mesh wahrscheinlich robuster und einfacher mit Freifunkfirmware oder einer speziellen zertifizierten Variante wartbar. Auch eine spätere Erweiterung des Freifunk-Netzes auf die Bahnhöfe ist technisch machbar, so dass eine durchgehende Nutzung des Netzes nicht nur während der Fahrt, sondern auch während der Umsteige- und Wartephasen möglich wird. Auf diese Weise könnten sich die Nutzer bereits auf dem Bahnsteig einloggen und beim Betreten der S-Bahn zu deren Accesspoint roamen – ohne Neueinwahl.

Geringe Kosten:

Neben einmaligen Anschaffungs- und Installationskosten für die Züge fallen insgesamt geringe Betriebskosten für Strom, usw., aber keine regelm1.äßigen Nutzungsgebühren an (für Hardware, Flashen und Konfiguration, sowie geräteabhängige laufende Stromkosten ohne weitere Belastungen). Die Firmware kann automatisch aktualisiert werden und ist daher sowohl wartungsarm als auch einfach skalierbar – zusätzliche Router können (falls vorhanden) per LAN-Kabel angebunden werden oder sich durch meshing/zeroconf automatisch mit Geräten in Funkreichweite verbinden.

Rechtliche Absicherung:

Rechtliche Bindungen, Verpflichtung oder Risiken wie Störerhaftung entfallen auf den Provider des Uplinks und werden im Rahmen des Freifunk-Prinzips durch Nutzung eines Freifunk-Providers oder ausländischen VPN-Anbieters umgangen. Nichtsdestoweniger handelt es sich beim Freifunk, wie bei vielen kommerziellen Anbietern, um ein offenes, unverschlüsseltes Netz, und die Nutzer müssen auf diesen Umstand hingewiesen werden.

Freifunk als Erfolgsgeschichte

Freifunk besteht seit 2003 in Berlin, seit 2004 in Stuttgart. Im vergangenen Jahr 2014 wurde der Verein Freifunk Stuttgart e.V. gegründet. Seit September 2014 existieren nach einem Technologiewechsel in der Region Stuttgart über 500 Freifunkknoten, bundesweit sind es über 20.000 Freifunkstandorte (Zahlen Stand September 2015). Bundesländer wie Nordrhein-Westfahlen, Thüringen oder die Medienanstalt Berlin Brandenburg (MABB) unterstützen Freifunk, und eine Reihe von Kommunen, u.a. Rheinfelden und Arnsberg, kooperieren aktiv mit Freifunk. Bei Zustandekommen eines Kooperationsprojekts zwischen dem Verband Region Stuttgart und dem Freifunk Stuttgart e.V. wäre eine Unterstützung des Freifunk Stuttgart e.V. durch Fördermitgliedschaft oder Spende zwar nicht zwingend notwendig, aber angemessen.

Weitere Informationen:

Freifunk Stuttgart e.V. http://freifunk-stuttgart.de
Freifunk http://freifunk.net
Einschätzung durch die Anwaltskanzlei Feuerhake:
http://www.anwaltskanzlei-feuerhake.de/freifunk

Für die Fraktion DIE LINKE

Christoph Ozasek Ingo Mörl

(Fraktionsvorsitzender) (Mitglied des Verkehrsausschusses)

Alternativer Vorschlag der Geschäftsstelle:

Die Möglichkeit zur Nutzung des Freifunkprinzips in der S-Bahn wird in den aktuellen Untersuchungen zum WLAN betrachtet. Im VKA wird über die Ergebnisse berichtet.


Kommentare

Ein Kommentar zu Antrag Haushaltsberatung 2016: #Freifunk in der S-Bahn

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