Aktualisierung der Baukosten-Prognose für das Projekt Stuttgart 21

PRESSEMITTEILUNG

Aktualisierung der Baukosten-Prognose für das Projekt Stuttgart 21

Das am Mittwoch den 16.12.2015 veröffentlichte Gutachten der Vieregg-Rössler GmbH kommt im Gegensatz zu den Kostenprognosen der Deutschen Bahn auf wahrscheinliche Endkosten des Projekts Stuttgart 21 von 9,8 Mrd. EUR. Mehrkosten für mögliche Risiken und weitere Verzögerungen sind darin noch nicht einberechnet. Mit ihrer Studie aktualisieren die Gutachter ihre Kosten-Berechnung von 6,8 Mrd. EUR aus dem Jahr 2008, die sich nach ursprünglich scharfer Kritik seitens der Bahn im Jahr 2012 als korrekt erwiesen hat. Die ursprüngliche Schätzung der DB im Jahr 2008 hatte nur bei 2,8 Mrd. EUR gelegen.

„Vieregg-Rössler haben bereits bewiesen, dass sie präziser rechnen als die Deutsche Bahn,“ kommentiert Christoph Ozasek, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in der Regionalversammlung die Kostenschätzung. „Aufgrund der schlüssigen Beweisführung zweifeln wir nicht daran, dass auch die aktuelle Berechnung eines Kostenvolumens von 9,8 Mrd. EUR für S21 und einer Fertigstellung nicht vor 2024 der Realität eher entsprechen als die Wunschträume von Projektpartnern und der Bahn.“

„Die Kostenkalkulationen der Bahn sind Betrug an den Finanzierungspartnern und an der Öffentlichkeit, aber die Mehrheitsfraktionen der Regionalversammlung sind unfähig, Intransparenz und Planungskatastrophen wie den Filderbahnhof kritisch zu hinterfragen,“ beklagt Verkehrsausschussmitglied Wolfgang Hoepfner. „Stattdessen wird der Kostendeckel der Region für das Dritte Gleis gesprengt. Es ist absehbar, dass weitere Auslagerungen von Teilabschnitten und Finanzierungslasten aus dem Gesamtprojekt drohen und Mehrkosten auf die Steuerzahler zukommen.“

Die Fraktion DIE LINKE in der Regionalversammlung Stuttgart sieht sich durch das neue Gutachten in ihrer Ablehnung des regionalen Haushalts 2016 aufgrund der fortgesetzten Mitfinanzierung von S21 über die nächste Finanzierungs-Tranche bestätigt. Auch die Zustimmung der Regionalversammlung zu Mehrausgaben in Höhe von 20 Mio. EUR für die 3.-Gleis-Variante ist aus Sicht der LINKEN nicht zu akzeptieren.

„Wir werden nicht wegschauen, während weitere Milliarden Euro sinnlos in den Baugruben von Stuttgart 21 versenkt werden,“ kommentiert Ozasek die passive Haltung der anderen Regionalfraktionen und der Regionalverwaltung zur Debatte um das Bahnprojekt.

Ergänzende Informationen:

Vieregg-Rössler stützen ihre aktualisierte Kalkulation der Mehrkosten unter anderem auf folgende Punkte:
die stark verteuerte Planung des Flughafenbahnhofs mit „Drittem Gleis“, zweigleisiger Zuführung von Neubaustrecke zum geplanten Fernbahnhof, Brandschutz für Fernbahnhof und Anbindung der S-Bahn an Neubaustrecke
Probleme beim Bau des Nesenbachdükers und der Düker im Zuge der Abwasserkanäle der Stadt
signifikante Mehrkosten der Tiefbahnhofsbaustelle durch aufwendiges Grundwassermanagement, schwierige Grundbauten des Bahnhofsbauwerkes, gestiegener Anforderungen für Brandschutz und Fluchtwege, sowie umfangreicherem Lärmschutz während des Baubetriebs
Preissteigerungen durch Bauverzögerung
Größtes finanzielles Risiko ist laut Vieregg-Rössler die Beibehaltung des Kopfbahnhofs mit Mehrkosten i.H.v. mindestens einer Mrd. EUR im Falle eines weiteren Wachstums des Regionalverkehrs (bei Planungen nicht eingerechnet: 60% Wachstum zwischen 1994-2015). Der S-21-Tiefbahnhof hat mit 32 Zügen eine weit geringere Kapazität und eine über 30% geringere Leistungsfähigkeit als der Kopfbahnhof mit 49-54 Zügen. Bei einer Beibehaltung zur Kapazitätssicherung müsste die DB bereits verkaufte Grundstücke zurück erwerben.


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